Eine Pressemitteilung hatte lange zwei Adressaten: Redaktionen und Suchmaschinen. Jetzt kommt ein dritter dazu.

Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity lesen Webinhalte aus, fassen sie zusammen und nennen Unternehmen direkt in ihren Antworten. Und seit 26. März 2025 zeigt Google auch in Deutschland KI-generierte Übersichten über den Suchergebieten an. Daraus ergibt sich für die Pressearbeit eine neue Frage. Welche Texte übernimmt eine Maschine als Quelle und welche ignoriert sie?
Was hinter Generative Engine Optimization steckt
Die Wissenschaft hat den Begriff Generative Engine Optimization (GEO) geprägt. Forschende der Princeton University und weiterer Einrichtungen haben ihn in einer Studie über Sichtbarkeit in generativen Suchsystemen verwendet, die 2024 auf der Fachkonferenz KDD präsentiert wird. Ergebnis: Durch gezielte Textanpassungen lässt sich die Sichtbarkeit einer Quelle in den KI-Antworten um bis zu 40 Prozent erhöhen. Am stärksten wirksam sind ergänzte Statistiken, belegte Zitate und Quellenangaben. Klassisches Keyword-Stuffing bringt indes kaum Vorteile.
In der Praxis lassen sich GEO und Suchmaschinenoptimierung kaum trennen. Agenturen wie SICHTHELD betreuen beide Disziplinen deshalb gemeinsam. Der Grund ist technisch: Google stellt in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen in der Suche klar, dass eine Seite indexiert und mit Snippet anzeigbar sein muss, um als Quelle in AI Overviews zu erscheinen. Zusätzliche technische Voraussetzungen gibt es nicht. Wer bei Google nicht gefunden wird, hat also auch in den KI-Übersichten schlechte Karten.
Woran Sprachmodelle zitierfähige Inhalte erkennen
Aus den Studienergebnissen und den Vorgaben von Google lassen sich konkrete Kriterien für Pressetexte ableiten:
- Zahlen mit Kontext: Eine Umsatzsteigerung braucht Bezugsgröße, Zeitraum und Quelle. „Plus 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr laut Geschäftsbericht 2025“ ist verwertbar, „deutliches Wachstum“ nicht.
- Zugeordnete Zitate: Aussagen sollten mit vollem Namen und Funktion der zitierten Person versehen sein.
- Eindeutige Entitäten: Firmenname, Standort und Produktbezeichnungen bleiben im gesamten Text gleich geschrieben.
- Text statt Bild: Kernaussagen gehören in den Fließtext, nicht ausschließlich in Grafiken oder PDF-Anhänge.
- Passende strukturierte Daten: Auszeichnungen nach Schema.org, etwa für Organisation oder Artikel, müssen mit dem sichtbaren Inhalt übereinstimmen.
Die bewährte Regel, die W-Fragen im ersten Absatz zu beantworten, gewinnt dadurch an Gewicht. Ein Sprachmodell extrahiert bevorzugt kompakte Aussagen, die ohne Umfeld verständlich sind.
Wo die Grenzen liegen
Manipulationsversuche haben wenig Aussicht auf Erfolg. Google hat seine Spam-Richtlinien ausdrücklich auf Versuche erweitert, generierte KI-Antworten zu beeinflussen. Dieselben Richtlinien stufen Links mit optimiertem Ankertext in verteilten Pressemitteilungen als Link-Spam ein, sofern sie nicht mit den Attributen „nofollow“ oder „sponsored“ gekennzeichnet sind. Der Wert einer Pressemitteilung liegt daher in der Markennennung und in belastbaren Fakten, nicht im Linkprofil.
Ebenso unnötig sind Sonderformate. Laut Google braucht es für die KI-Suche weder spezielle maschinenlesbare Dateien noch eigene Markups. Hinzu kommt: AI Overviews erscheinen längst nicht bei jeder Suchanfrage, sondern nur dann, wenn Google darin einen Mehrwert gegenüber der klassischen Ergebnisliste sieht.
So lässt sich die Wirkung überprüfen
Eine eigene Auswertung für KI-Übersichten bietet die Google Search Console nicht. Impressionen und Klicks daraus fließen in den regulären Leistungsbericht für die Websuche ein. Aussagekräftiger ist ein einfaches Monitoring. Unternehmen definieren zehn bis zwanzig Fragen, die ihre Zielgruppe typischerweise stellt, und prüfen in festen Abständen, ob und wie ChatGPT, Gemini und Perplexity die eigene Marke nennen. Die Ergebnisse werden mit Datum dokumentiert und mit den Veröffentlichungsterminen der Pressemitteilungen abgeglichen.
Vor der nächsten Aussendung lohnt ein kurzer Abgleich mit den genannten Kriterien. Enthält der Text überprüfbare Zahlen? Sind Zitate eindeutig zugeordnet? Steht die Kernaussage im ersten Absatz? Wer diese Fragen mit Ja beantwortet, schreibt nicht nur für Redaktionen, sondern auch für die Systeme, über die ein wachsender Teil der Informationssuche heute läuft.
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