Nürnberger Unterwelten - Britta Keim

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Zu den großen Anliegen des Fördervereins Nürnberger Felsengänge e.V. (Nürnberger Unterwelten) zählt neben Führungen, die Erforschung und Erweiterung der Kenntnisse über die zahlreichen Felsenkeller, Stollen und ehemaligen Luftschutzanlagen, die unter der Nürnberger Innenstadt liegen. Einen breiten Raum nehmen dabei Bunker und Luftschutzräume aus der dunkelsten Zeit der Deutschen Geschichte ein. Obwohl diese Anlagen das Überleben tausender Bürger im Zweiten Weltkrieg sicherten, gerieten sie im Laufe der Jahre oft in Vergessenheit. Viele verschwanden für immer oder wurden zur ungeliebten Hinterlassenschaft einer unrühmlichen Vergangenheit.
Eine kleine Gruppe von Mitgliedern der „Nürnberger Unterwelten“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Anlagen aufzufinden, zu erforschen und zu dokumentieren. Ziel ist es, sie damit als historisches Mahnmal zu bewahren.

Da es mittlerweile weitgehend an Zeitzeugen fehlt, erfolgt ein Großteil der Arbeit durch mühevolle Recherche in Literatur, Berichten und Archiven. Stößt man dabei auf eine interessante Anlage, wird versucht, diese vor Ort näher zu erforschen. Nicht immer ist dieser Wunsch von Erfolg gekrönt. Manche Objekte sind einsturzgefährdet, zugeschüttet oder zwischenzeitlich vollständig überbaut, der Eigentümer ist nicht zu ermitteln oder unterstützt das gemeinnützige Anliegen nicht. Viele Anlagen wurden seit Jahrzehnten nicht mehr betreten, einige stehen heute unter Wasser.

Sind alle Hürden beseitigt, wird die Anlage erkundet, vermessen, fotografiert, gefilmt oder ein 3D Modell erstellt. Ergänzend werden der bauliche Zustand sowie andere Auffälligkeiten erfasst. Oft finden sich bei solchen Exkursionen Relikte aus vergangenen Zeiten, wie Luftfilter, Stromaggregate, Toiletten, Lampen und Helme. Nicht immer können dabei alle Rätsel zweifelsfrei geklärt werden.

Im Nachgang werden die Ergebnisse dokumentiert, Unterlagen und Fotos katalogisiert, fehlende Pläne erstellt und vereinsintern publiziert. Diese Dokumente dienen dem Verein als Grundlage für die Entscheidung, ob ein erforschtes Objekt im Rahmen einer späteren Sonderführung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

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Mit besonderem Stolz erfüllt es das Forscher-Team, Kenntnis von unbekannten oder lange vergessenen Objekten zu erlangen. So konnte beispielsweise die Anzahl der sogenannten „Splittergräben“ im Stadtgebiet von bis dato einem auf jetzt neun bekannte Objekte erhöht werden. Aufgrund eines Presseaufrufs des Vereins Anfang 2022 erfuhr der Verein von zahlreichen häuslichen und oft unbeachteten Luftschutzanlagen.

Die Forscher des Vereins bleiben weiterhin neugierig und freuen sich immer auf weitere Meldungen von Unterwelt-Objekten in Nürnberg. Hinweise dazu können dem Verein per Email an info@nbguw.de gemeldet werden.