Dennis Riehle

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Selbsthilfeinitiative: Auswirkungen der verschiedenen Krisen führen zu Ohnmacht und Kontrollverlust

Die bundesweit tätige Selbsthilfeinitiative zu Zwängen, Phobien und Depressionen weist angesichts der Folgen aus Pandemie, Ukraine-Krieg und Wirtschaftskrise auf eine sich verschärfende Situation bei psychischen Erkrankungen in Familien hin. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle (Konstanz), in einer aktuellen Stellungnahme mitteilt, habe sich die Zahl der Eltern, welche sich ratsuchend gemeldet haben, nahezu verdreifacht. Besonders deutlich sei die Zunahme derjenigen Väter und Mütter, die über Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder im Alter zwischen 7 und 17 Jahren berichten: „Zwanghaftes Denken und Handeln hat sich bei den Kleinsten erheblich gesteigert. Nicht immer wird man von einer manifesten Störung sprechen können“. Und doch sind die Beobachtungen alarmierend, weil es an Therapieplätzen für Jugendlichen mangele und Angehörige mit der Situation oftmals vollkommen überfordert seien: „Mit dem ritualhaften Agieren versuchen die Betroffenen, wieder Halt, Kontrolle und Verantwortung über ihr eigenes Leben zurückzugewinnen, nachdem es durch Lockdown, soziale Isolation und familiäre Konflikte angesichts des finanziellen Stresses und des Armutsrisikos in vielen Haushalten aus den Fugen geraten ist“, erklärt Dennis Riehle.

Der 37-Jährige ist seit 24 Jahren selbst an einer Zwangsstörung erkrankt und kennt die Auslöser des psychischen Störungsbildes: „Auch die Zukunftssorgen angesichts der vielen Herausforderungen von Klimawandel bis Gewalt in unseren Nachbarländern sind ein Trigger für Zweifelhaftigkeit und Resignation, die seelische Dysbalancen vorantreiben. Und wir dürfen nicht vernachlässigen, dass auch Kinder bereits in der Lage sind, die Dramatik der Gegenwart zu erfassen. Allerdings fehlen ihnen die Widerstandskraft und das Handwerkszeug, mit den Bildern und Nachrichten aus dem Fernsehen richtig umzugehen. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe der Angehörigen, mit ihren Kleinsten über das aktuelle Geschehen zu sprechen, es ihnen angemessen zu erklären und Befürchtungen zu nehmen. Halt ist in diesen Tagen entscheidender denn je und stabilisiert dadurch nicht nur das familiäre Gefüge. Viel eher können und sollten wir unsere Jugendlichen nicht in Watte packen und aus gutgemeinter Rücksicht vor einer etwaigen Konfrontation mit der Wirklichkeit schützen wollen. Denn die Auseinandersetzung mit der Realität schult sie in besonderer Weise, Lösungskompetenz zu erwerben und auch eine mögliche Zwangserkrankung mit eigenen Ressourcen adäquat in Schach zu halten“.

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Hierfür hat Riehle fünf Schritte entwickelt, mit denen eine solche psychische Störung entsprechend angegangen werden kann:

1. Erkennen und Annehmen

Stereotypes Handeln und Denken als Zwangserkrankung identifizieren, diagnostizieren lassen und die Tatsache zu verinnerlichen versuchen, dass man an einer psychischen Störung trägt, von der viele Millionen andere Menschen ebenso betroffen sind und die man heute gut behandeln kann. Das Eingeständnis, an diesem Leiden nicht selbst schuld, sondern ein Patient zu sein, der an einer aus vielen Gründen sich systemisch entwickelten Beeinträchtigung leidet. Sie darf man im ersten Schritt als Teil der eigenen Psyche und des Organismus respektierten, muss sie aber nicht als prägende Eigenschaft der eigenen Persönlichkeit akzeptieren. Wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses ist die Edukation, das sich Informieren über die Entstehung, Ursachen, Verbreitung, Beweggründe für die Aufrechterhaltung, Symptome, Behandlung, ergänzende Unterstützungsmöglichkeiten, soziale Hilfen und Prognose des Krankheitsbildes samt seines prägenden Charakters und seiner potenziellen Veränderlichkeit.

2. Deuten und Ursachen offenlegen

Die Erkenntnis, dass eine Zwangserkrankung nicht nur ein verhaltenspsychologischer Prozess der Angewöhnung ist, sondern eine Funktionalität besitzt, die das Beschwerdebild dynamisch und als Katalysator aufrechterhält, ist eine schwierige Aufgabe der Deutung ihrer Symptome. Das Verständnis darüber, dass neben einer biochemischen Komponente eines pathologischen Gehirnstoffwechsels auch tiefenpsychologische Aspekte, kognitive Fehlassoziationen von Empfindungen und eine Konnexion zwischen zumeist ängstlichen Impulsen und dem Wunsch nach Negierung von Stress, Anspannung und Nervosität eine Rolle spielen, gehört auch zur Interpretation und Erklärung, weshalb eine bestimmte Person von einer Zwangsstörung heimgesucht wird und in ihrer jeweils individuellen Lebenssituation Strukturmerkmale aufzuweisen vermag, die ätiologisch zumindest ansatzweise nachvollziehen lassen, wieso ein Krankheitsbild fortbesteht. Erst, wenn dieses komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Wirkungsabläufe auf die seelische Situation entschlüsselt ist, kann eine an der Wurzel des Problems ansetzende Aufarbeitung antreibender Kausalitäten vorgenommen werden.

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3. Konfrontation und Problemlösung

Neben Exposition, also dem bewussten Konfrontieren mit den zwangsauslösenden Situationen, welche durch wiederholte Übung und verschiedene therapeutische Elemente wie Biofeedback, Gefühlsakzeptanz und umleitende Körperwahrnehmung ihrer Bedrohlichkeit beraubt werden und in der Folge nicht mehr in der Lage sind, ein Neutralisationsverhalten beim Betroffenen anstoßen zu können, ist auch die Lösung von die Zwangserkrankung triggernden Alltagsnöten, beispielsweise familiärer, beruflicher, biografischer, emotionaler oder traumatisierender Natur. Neben der flutenden Verhaltenstherapie sind also auch Elemente der gesprächsanalytischen und Systemtherapie an einer multimodalen Behandlung eines Zwangs sinnvollerweise beteiligt.

4. Entwöhnung und Dehabituierung

Dekonditionierung (Durchtrennen der zwanghaft fehlgeleiteten Reiz-Reaktion) mithilfe von kognitiven Versuchen der Rückholung übertriebener Befürchtungen in die rationale Realität, Umformulierung von Glaubenssätzen und Vernetzung neuer Stimulus-Response-Ketten. Entsprechend muss das Gehirn wieder lernen, mit Sorge und Furcht besetzte Gedanken- und Gefühlsimpulse neu zu bewerten, sich ihrer harmlosen Dimension bewusst zu werden sowie reflexartiges Reagieren in Form von der Situation kontrollierendem Zwangsverhalten insoweit abzubauen und zu „vergessen“, dass ein subjektiv wie objektiv angemessenes und gleichsam verhältnismäßiges Handeln und Denken in einer jeweils individuellen Einzelfallentscheidung wieder möglich und letztlich automatisches Anzweifeln des eigenen Tuns unnötig wird.

5. Ablösen und Ersetzen

Am Ende steht eine Zeremonie der Trennung und des bewussten Ablegens der Zwangsstörung, beispielsweise in Form einer therapeutischen Verabschiedung von Handlungen und Gedanken. So kann das Aufnotieren von charakteristischem Zwangsverhalten auf Notizblätter und deren anschließendes Verbrennen als Ausdruck eines finalen Loslassens geschehen. Danach gilt es, die im Alltag frei gewordene Zeit mit frischen, sinnstiftenden und ausfüllenden Tätigkeiten und Formen des Genusses und der Selbstfürsorge zu substituieren und sich mithilfe eines etwaigen Persönlichkeitstrainings als zwangloses Individuum zu definieren, das sich im Lebensalltag klar zu Freiräumen bekennt und sie sich mit Oasenmomenten, Belohnungen oder anderen Formen der eigenen Wertschätzung zugesteht, um eine Atmosphäre der Seelengesundheit zu erhalten.

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Die Selbsthilfeinitiative kann bundesweit kostenlos über Mail: info@selbsthilfe-riehle.de erreicht werden.

Dennis Riehle
Selbsthilfeinitiative
Zwangserkrankungen, Phobien,
psychosomatische Störungen und Depressionen
Dissoziative und psychotische Erkrankungen
im Kreis Konstanz

Martin-Schleyer-Str. 27
78465 Konstanz

Web: www.selbsthilfe-riehle.de
Mail: info@selbsthilfe-riehle.de