Granatapfelkerne

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Das Jugendbuch „Granatapfelkerne“ erzählt vom Flüchtlingsschicksal der Familie Azadi zu Zeiten des Umsturzes im Iran. Bereits in seinem Vorwort spricht es die Kinder direkt an und bereitet sie behutsam auf die Handlung vor. Am Schicksal der kleinen Mina erfahren sie, warum Menschen ihr Land verlassen und in welche Situationen sie als Flüchtling geraten.
Mina Azadi, inzwischen eine erwachsene Frau und selbst Mutter, widmet sich Flüchtlingen und ihren Problemen. In einer Rückblende beleuchtet “Granatapfelkerne“ ihre Kindheit. Mina, ein fröhliches Mädchen, wächst in einem liebevollen Zuhause in der großen Stadt Teheran auf. Ein besonderer Vertrauter wartet jeden Tag auf sie im elterlichen Garten. Es ist ein alter Granatapfelbaum, mit dem sie täglich Zwiesprache hält.
Minas heile Welt gerät ins Wanken, als im Iran die Revolution ausbricht und das Land und kurz darauf ein Krieg mit all seinen Schrecken. Zugleich verändert ein furchtbares Regime das Leben der Menschen und verbreitet ein Klima der Angst und Gewalt, das bis in die Kindergärten und Schulen reicht. Minas Vertrauen wird missbraucht. Ihre Eltern geraten in Gefahr und müssen fliehen. Schweren Herzens nimmt Mina Abschied von allem Vertrauten. Auf die Flucht in eine fremde Welt nimmt sie zwei Dinge mit: ihre Puppe und eine Dose mit Granatapfelkernen…

Leseprobe:
Gegen Abend zog der Duft von leckerem Reis und Gewürzen durch das Haus. Mina saß mit ihrem Vater und den Großeltern am Tisch und die Mutter trug gerade das Essen auf. Da pochte es hart an die Tür. Der Vater ging, um zu öffnen. Kreidebleich im Gesicht kehrte er zurück. Ihm folgten zwei Pasdaran. Die Mutter erschrak. Der Teller, den sie gerade füllen wollte, entglitt ihrer Hand und sein Inhalt leerte sich auf dem Teppich.
Ein Pasdaran mit buschigen Augenbrauen musterte sie abfällig, warf Mina einen finsteren Blick zu und fuhr den Vater barsch an. »Ihre Tochter Mina hat in der Schule angegeben, dass Sie hier im Haus Musik hören, tanzen und fröhliche Partys feiern, obwohl das Land in Trauer ist! Außerdem schauen Sie westliche Videos!« Er sah sich suchend im Zimmer um. »Her mit den Kassetten!«, herrschte er den Vater an.
Erschrocken öffnete der Vater den Bücherschrank. Die Großeltern saßen bewegungslos auf ihren Stühlen und blickten entsetzt in die Runde. Der Großvater ließ seine Gebetskette (Tasbi) nervös durch die Finger gleiten, wobei er bei jeder Perle eine stille Bitte zum Himmel sandte. »Da haben wir ja eine ganze Sammlung«, rief der andere Pasdaran triumphierend, als er in den Schrank schaute. Er sah den Vater verächtlich an: »Ihnen ist doch wohl bekannt, dass Musik und westliche Videos bei Strafe verboten sind.«
Er packte die Kassetten alle zusammen, um sie abzutransportieren. »Was seid ihr für gottlose Menschen! Habt ihr überhaupt einen Koran im Haus?«
»Wir haben einen Koran«, erwiderte Minas Vater leise und versuchte, das Zittern in seiner Stimme zu verbergen. Er öffnete den Bücherschrank und holte ihn hervor.
Quelle http://www.spass-und-lernen.com/buchblog_261

Produktinformation:
Taschenbuch: 148 Seiten
Verlag: Karina Verlag (Nova MD); Auflage: Erstauflage (17. August 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3964431060
ISBN-13: 978-3964431066

Mehr Infos unter:
https://www.karinaverlag.at/

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