Ernst Probst

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Vor 600 Jahren kam der Reichsschatz aus Ungarn nach Franken

Nürnberg – Eine wichtige Rolle bei der Rettung der Reichskleinodien für den deutsch-römischen König Sigmund (1368–1437) aus dem von Hussiten bedrohten Ungarn hat der Nürnberger Patrizier und Ratsherr Sigmund Stromer zur goldenen Rose gespielt. Er und der Patrizier Jörg Pfinzing brachten am 22. März 1424 auf einem Pferdefuhrwerk, unter stinkendem Fisch versteckt, das „Allerheiligste“ des Abendlandes – die Insignien der Kaiserwürde – in ihre Heimatstadt. Damit endete die Reise des Reichsschatzes von Plintenburg in Ungarn in die Reichstadt Nürnberg in Franken.

Erst kurz vor den Nürnberger Stadttoren lüftete man das Geheimnis der wertvollen Fracht. In einer prächtigen Prozession empfingen Rat, Geistlichkeit und Bürgerschaft in Nürnberg den Reichsschatz und begleiteten ihn zur Heilig-Geist-Kirche, wo er 350 Jahre größtenteils in einem Schrein im Chorgewölbe verwahrt wurde. Zu den 18 „Nürnberger Kleinodien“ gehörten die Reichskrone, Teile des Krönungsornats, der Reichsapfel, das Zepter, das Reichs- und Zeremonienschwert, das Reichskreuz, die Heilige Lanze und andere Reliquien.

Die Heilige Lanze (auch Longinuslanze, Mauritiuslanze oder „Speer des Schicksals“) ist das älteste Stück der Reichskleinodien der Könige und Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches“. Angeblich enthält sie ein Stück eines Nagels vom Kreuz Christi („Heiliger Nagel“). Laut einer Legende gehörte die Lanze Mauritius, dem Anführer der Thebaischen Legion. Oder nach anderen Quellen dem römischen Hauptmann Longinus, der mit ihr den Tod Jesu überprüfte, so dass sie auch mit dessen heiligem Blut getränkt sein soll. Drei Teile des Reichsschatzes bewahrte man bis 1794 in der Pfalzkapelle von Kaiser Karl dem Großen in Aachen auf.

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Bevor französische Soldaten im Juni 1796 Nürnberg besetzten und General Jean-Baptiste Jourdan den Reichsschatz in Besitz nehmen wollte, brachte man die Reichskleinodien zunächst nach Regensburg und 1800 nach Wien.

Die Stadt Nürnberg ließ 1881 von dem taubstummen Nürnberger Historienmaler Paul Ritter ein Kolossalgemälde zum Andenken an den Einzug der Reichskleinodien von 1424 anfertigen. Ritter hat nach einstigem Brauch bemerkenswerte Zeitgenossen auf dem Gemälde porträtiert. Anstelle des Patriziers Sigmund Stromer ist Bürgermeister Otto von Stromer (1831–1891) zu Pferde dargestellt. Dessen zehnjähriger Sohn Ernst Stromer (1871–1952) ist als Engel auf einem Wagen abgebildet. Er wurde später ein erfolgreicher Forscher, der vier unbekannte Dinosaurier-Arten in Ägypten und eine unbekannte Antilopen-Art in Bayern entdeckte. Fritz Stromer (1867–1940), der 14-jährige Bruder von Ernst Stromer, weinte, weil er nicht auf dem Gemälde zu sehen ist. Um ihn zu trösten, ersetzte der gütige Künstler Ritter die dunkelblonden Haare von Ernst Stromer durch die roten Locken von Fritz Stromer.

Bild: Abbildung des Kaiserlichen Ornats und anderer Kleinodien

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Autor Ernst Probst
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