13. Ulmer Gespräche unter dem Titel “Veränderungen erkennen – Chancen nutzen”

Sich in volatilen Märkten zu behaupten, ist eine Kunst, die sich einüben lässt

vlnr Oliver Herkommer, Ute Brucker, Dr. Peter Kulitz, Claudia Michelsen, Jörg Herkommer

(Ulm) – Wer frühere Ulmer Gespräche der Ingenics AG miterlebt hatte, mag sich erst einmal gewundert haben. Diesmal gab es keine Fachvorträge, selbst auf ein Statement zur Lage des Unternehmens wurde verzichtet – obwohl man ein stolzes Wachstum von 30 Prozent im letzten Geschäftsjahr hätte melden können. Stattdessen erlebten die zahlreichen Gäste – größtenteils Führungskräfte aus deutschen Unternehmen – im Ulmer Stadthaus ein ganz neues Veranstaltungsformat mit einem gestrafften Programm, in dem nicht Ingenics, sondern prominente Gäste die Hauptrolle spielten. Statt Powerpoint-Fachpräsentationen gab es eine Talkrunde – und mehrere Ausschnitte aus einer Literaturverfilmung der ARD, dem erfolgreichen Zweiteiler “Der Turm” nach Uwe Tellkamps gleichnamigem Bestseller. Um es vorweg zu nehmen: Das neue Format kam bestens an.

“Veränderungen erkennen – Chancen nutzen” hatte die Ingenics AG die Einladung zu den Ulmer Gesprächen 2013 überschrieben und mit dem Untertitel “Die Kunst, sich in volatilen Märkten Wettbewerbsvorteile zu verschaffen” deutlich gemacht, welche Idee hinter dem Konzept stand: Am Beispiel von Situationen, die auf den ersten Blick nicht primär mit Wirtschaft zu tun haben, zu zeigen, dass Umbrüche immer von Situationen geprägt werden, in denen alles neu überdacht werden muss, weil Gewohntes nicht mehr funktioniert. In diesem Fall wurde es an einem Beispiel der jüngsten Geschichte gezeigt: am Ende der DDR.

Im Gespräch mit der SWR-Weltspiegel-Moderatorin Ute Brucker berichtete die in Dresden geborene Schauspielerin Claudia Michelsen, die neben dem männlichen Hauptdarsteller Jan Josef Liefers die weibliche Hauptrolle im “Turm” spielte, wie sie selbst den November 1989 und die Jahre danach erlebte. Den persönlichen Erfahrungen wurden immer wieder Filmausschnitte gegenübergestellt.

Ein neues Bewusstsein schaffen, einen neuen Pioniergeist erzeugen

In dem – immer noch von der souveränen Ute Brucker geleiteten – um Dr. Peter Kulitz, den Vorsitzenden des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages und Ingenics Aufsichtsrat Jörg Herkommer zur Viererrunde erweiterten Talk wurde dann der Bezug zur Wirtschaft und damit zum Ingenics Jahresthema “Volatile Märkte” hergestellt. Zu diesem Zeitpunkt war das Schwierigste bereits gelungen: die Erkenntnis zu vermitteln, dass die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des vermeintlichen Wirtschaftsthemas und die spürbaren Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Akteure ein neues Bewusstsein schaffen und einen neuen Pioniergeist erzeugen müssen.

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Aus dem Zusammenbruch der Systeme gestärkt hervorgehen

Claudia Michelsen, die jüngst – auch für den “Turm” – mit der Goldenen Kamera, dem Grimme-Preis und dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, konnte sowohl durch selbst Erlebtes wie auch durch ihre Rolle der Anne Hoffmann deutlich machen, was eine umfassende Umwälzung und Neuorientierung einem Menschen abver-langt, wie es ihn verändert – und ihn ein ganz neues Selbstvertrauen entwickeln lassen kann, sodass er aus dem doppelten Zusammenbruch der politischen und familiären Systeme sogar gestärkt hervorgeht. Die in diesem Fall eher Privilegierten und Künstler, die versucht hatten, in der DDR Nischen relativer Freiheit zu behaupten und häufig teuer dafür bezahlen mussten, arbeiteten anschließend daran mit, diese Nischen mit dem System selbst abzuschaffen – das muss eine verstörende Erfahrung gewesen sein. “Plötzlich war nirgends mehr Widerstand zu spüren – was tun? Wir wussten doch nicht, wie Kapitalismus geht, in der DDR hatte Geld nie eine Rolle gespielt”, sagte Claudia Michelsen. “In der DDR gab es viele Limits, man musste einfach schlauer sein, und es gab viel Langeweile, die die Phantasie förderte.” Diese Phantasie habe ihr im neuen Leben nach der Wende, als sie sich völlig neu orientieren musste, durchaus geholfen. Ihren heutigen Erfolg verdanke sie auch guten Beratern und Managern.

Vor Veränderungen gibt es in aller Regel Signale

Ute Brucker schaffte es glänzend, Claudia Michelsens Erinnerungen zu strukturieren, immer wieder die Relevanz für das Veranstaltungsthema deutlich zu machen und in Vorlagen für die beiden Unternehmer Jörg Herkommer und Dr. Peter Kulitz zu verwandeln. “Wie in gesellschaftlichen Systemen findet man sich auch in unternehmerischen Systemen zu oft mit Zwängen ab und versäumt es, sich auf überlebenswichtige Veränderungen vorzubereiten”, bestätigt Jörg Herkommer aus seiner Sicht die Erfahrungen der Schauspielerin. “Vor Situationen, die einschneidende Veränderungen mit sich bringen, gibt es in aller Regel Signale – bei uns in Form von Zahlen; aber die schaffen nicht zwangsläufig ein Bewusstsein für den Wandel.” Er habe oft Menschen erlebt, die wider besseres Wissen als notwendig erkannte Veränderungen scheuten – aber auch Menschen, die “sofort nach vorne stürmten”, sagte Dr. Peter Kulitz. “Aber es gibt viele Entwürfe, die erfolgreich sein können.”

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Was notwendigen Änderungen im Weg stehe, seien häufig “heilige Kühe, historisch Gewachsenes, an das keiner heran will”, sagte Jörg Herkommer. Auf der anderen Seite habe er festgestellt, dass in der Krise von 2008/2009 einige der “Hidden Champions” aus dem deutschen Mittelstand nicht nur ihre Position verteidigt, sondern sogar Marktanteile gewonnen hätten. “Da die Konjunkturzyklen kürzer geworden und nicht mehr berechenbar sind und es in der Natur unserer Kultur liegt, dass erst Leidensdruck Veränderung in Gang bring, wird es immer mehr darauf ankommen, auf erste Signale zu reagieren.”

Erkennen – entscheiden – sofort umsetzen

Das sieht Dr. Peter Kulitz genau so: “Ich stimmt hundertprozentig zu, es gilt: erkennen – entscheiden – sofort umsetzen.” Dabei sei es wichtig, immer über den Tellerrand hinauszuschauen, möglichst weiter als die Politik. Auch der nächsten programmatischen Forderung Jörg Herkommers schloss sich Dr. Peter Kulitz an: “Unternehmen in volatilen Märkten zu führen, erfordert andere Methoden als die etablierten, wir brauchen eine Führungskultur, die in der Lage ist, das Spiel schneller zu spielen. Dazu bedarf es eines Geschäftsmodells, das alle Elemente des Geschäfts, auch Produkte und Preise, regelmäßig auf den Prüfstand stellt.”

Vor einem Primat des Ökonomischen auf Kosten der Kreativität warnte Dr. Peter Kulitz allerdings vehement: “Die alleinige Ausrich-tung auf das Materielle, wie ich es gerade wieder in Korea erlebt habe, ist deprimierend und verhindert letztlich die Innovationsfähigkeit, denn nur wer Fehler machen darf, kann kreativ sein.”

Kreativität und duale Ausbildung fördern

Mit Jörg Herkommers Appell, die Kreativität von Kindern zu fördern und Dr. Peter Kulitz” energischem Plädoyer für die Beibehaltung der dualen Ausbildung und die Abkehr von einer Politik, die auf Kosten von Industrie und Handwerk 50 Prozent Akademiker fordert, endete diese beeindruckende Talkrunde.

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Vor dem abschließenden “Flying Dinner” im Restaurant des Stadthauses, gab Ingenics CEO Oliver Herkommer zwar nicht die üblichen praktischen Tipps der früheren Ulmer Gespräche (“Veranstaltung mit Mehrwert”), aber er wies darauf hin, dass “Die 8 Stellhebel zur Bewältigung von Volatilität” in einer Sonderausgabe des Ingenics Magazins “Future News” zu finden sind. Ob Claudia Michelsen beratende Unterstützung braucht, nachdem sie im volatilen TV-Markt eine entscheidende Veränderung in Gang brachte, indem sie zur Polizeiruf 110-Kommissarin wurde, die (zusammen mit Sylvester Groth) in Magdeburg ermittelt, blieb ungeklärt.

Bildrechte: Fotodesign Bettina Theisinger/ Ingenics AG

Über Ingenics
Die Ingenics AG ist ein innovatives, expandierendes Beratungsunternehmen mit den Geschäftsfeldern Fabrik- und Produktionsplanung, Logistikplanung, Effizienzsteigerung Produktion sowie Effizienzsteigerung Office. Zu den Kunden gehört die Elite der deutschen und europäischen Wirtschaft. Über nationale Projekte hinaus ist die Ingenics AG ein gefragter Partner für die Planung und Realisierung weltweiter Produktionsstandorte, beispielsweise in Indien, China, den USA und Osteuropa. Derzeit beschäftigt Ingenics rund 325 Mitarbeiter unterschiedlichster Ausbildungsdisziplinen. Mit hoher Methodenkompetenz und systematischem Wissensmanagement wurden in über 30 Jahren mehr als 3.500 Projekte erfolgreich durchgeführt. Ingenics begleitet seine Kunden durch das komplette Projekt, von der Konzeption bis zur praktischen Umsetzung der Pläne.

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