Holger Bernert

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(hob) In jedem Fuß stecken 60 Muskeln, 26 Knochen, 33 Gelenke und 114 Bänder. Ein kompliziertes anatomisches Konstrukt. Klar, dass man zur medizinischen Behandlung und Pflege nur qualifizierte Fachleute an seine Füße lässt. Richtig gute Podologinnen und Podologen sind in Deutschland jedoch Mangelware. Das Berufsförderungswerk in Hamm sorgt mit seinem Ausbildungsangebot für den dringend erforderlichen beruflichen Nachwuchs.

In der Podologie geben Patienten ihre Füße in die Hände von qualifizierten Therapeuten für Fußgesundheit. Diese sorgen mit ihren therapeutischen Maßnahmen für nachhaltig gesunde Füße. Um diesem hohen fußmedizinischen Anspruch gerecht werden zu können, führt das bfw hamm seit 2005 überbetriebliche Reha-Umschulungen in diesem Bereich durch. Darüber hinaus nimmt das Berufsförderungswerk Bildungsgutscheine entgegen und ermöglicht seit diesem Jahr auch eine schulgeldfreie Erstausbildung. Unter Leitung von Anke Bohmeyer-Ludewig bietet das Berufsförderungswerk eine 24-monatige Vollzeitausbildung an, die durch 1.000 Praxisstunden in Podologiepraxen ergänzt wird. Ab August nimmt im bfw hamm eine eigene Podologiepraxis die Arbeit auf. Diese wird von Susanne Höcke geleitet, die ihre Ausbildung hier in der Gesundheitsschule absolvierte. „Wir möchten damit vor allem unsere Kompetenz unter Beweis stellen und Hospitanzstellen für unsere Absolventinnen und Absolventen anbieten“, erklärt Anke Bohmeyer-Ludewig.

Seit 2017 ist die erfahrene Podologin Schulleiterin im bfw hamm. „Ich war eine der ersten Teilnehmerinnen in meinem Fach, die vor 20 Jahren eine Podologieausbildung begonnen hat. Bis dato war ich als sogenannte  „Medizinische Fußpflegerin“ in eigener Praxis tätig. Doch die medizinischen Ansprüche waren mir damals nicht ausreichend. Und so habe ich mich für diese qualifizierte Ausbildung entschieden.“

„Wir bieten die Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf an, der nichts mit kosmetischer Fußpflege zu tun hat.“
Anke Bohmeyer-Ludewig bildet angehende Podologen im bfw hamm aus

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Nach Auskunft der 56-Jährigen haben die Aufgaben der Podologen und Podologinnen nichts mit der kosmetischen oder pflegerischen Fußpflege gemein. „Wir arbeiten in unserem Beruf als Fußtherapeuten. Unser Tätigkeitsschwerpunkt ist der krankhaft veränderte Fuß von Menschen, die an Diabetes Mellitus, neurologischen Störungen oder Querschnittslähmungen leiden. Daher werden wir grundsätzlich nur nach ärztlicher Verordnung zum Beispiel von Diabetologen, Orthopäden oder Dermatologen tätig.“

Entsprechend hoch ist der Anteil einer sehr anspruchsvollen medizinischen Grundausbildung. „Daher bevorzugen wir Bewerberinnen und Bewerber mit einem mittleren Bildungsabschluss oder Menschen mit Hauptschulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung“, so die erfahrene Podologin weiter. „Unsere angehenden Kolleginnen und Kollegen müssen sorgfältig arbeiten können und ein gehöriges Maß an Geschicklichkeit besitzen. Ferner kommen eine hervorragende Auge-Hand-Koordination, eine ausgeprägte Beobachtungsgenauigkeit sowie Empathie und die Fähigkeit zur Kontaktaufnahme und Kommunikationsfähigkeit hinzu.“

Wer nach der zweijährigen Ausbildung sein staatlich anerkanntes Zeugnis in Händen hält, kann sich auf sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt freuen. „Qualifizierte Podologinnen und Podologen können zum Beispiel als selbstständige medizinische Fachdienstleister arbeiten oder ihre Mitarbeit in Gemeinschaftspraxen anbieten“, schätzt die engagierte Schulleiterin den Arbeitsmarkt ein. „Darüber hinaus suchen Arztpraxen, Krankenhäuser oder spezielle Fußambulanzen mittlerweile vermehrt hochqualifizierte Fußtherapeuten im Angestelltenverhältnis. Die Vermittlungsquote unserer ausgebildeten Fachkräfte liegt bei hundert Prozent. Und auch in Zukunft ist die Podologie ein zugkräftiger medizinischer Jobmotor.“

www.bfw-hamm.de

Schulleiterin Anke Bohmeyer-Ludewig vom bfw hamm
© Holger Bernert