Zur Verantwortung in der Klimakrise: Wissenschaft trifft Aktivismus – im Podcast mit Luisa Neubauer und Ernst Ulrich von Weizsäcker
Laut Luisa Neubauer, Klimaaktivistin und Gesicht der Fridays for Future Bewegung in Deutschland, muss sich jede und jeder die Frage stellen „Was ist meine Rolle in der Klimakrise?“. Gemeinsam mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, Umweltwissenschaftler und Gründungsdirektor des Wuppertal Instituts, diskutiert sie im Wissenspodcast der VDW „Eine:r muss es ja machen“ über die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunft unseres Planeten.
Die Menschheit blickt einer steigenden Erderwärmung entgegen. Auch wenn wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse haben, wie der Temperaturanstieg auf etwa 1,5˚ Celsius begrenzt werden kann, blicken Neubauer und von Weizsäcker der Machbarkeit kritisch entgegen. Problematisch sehen beide jedoch nicht mangelnde theoretische Befunde, sondern vor allem deren politische Durchsetzung. Laut von Weizsäcker ist eines der zentralen Probleme, dass Klimapolitik zumeist auf nationaler Ebene angegangen wird: Klimapolitik kann aber nicht durch innenpolitische Maßnahmen erfolgreich sein, sondern benötigt eine abgestimmte Klimaaußenpolitik. Vor allem der globale Norden, als Hauptverursacher der Treibhaus-Emissionen, steht in der Bringschuld, eine verantwortungsvolle Klimapolitik durchzusetzen, so Neubauer.
Bereits jetzt bringen Kern- und Kohlekraftwerke keinen ökonomischen Vorteil mehr. Dennoch wird Klimaschutz häufig als zu kostenintensiv bezeichnet und gegen soziale Gerechtigkeit aufgewogen. Dies steht laut Neubauer und von Weizsäcker symptomatisch für unser derzeitiges gesellschaftliches Klima. Die notwendige Transformation werde eben nicht als unabdingbar aufgefasst, sondern vielmehr als eine Option unter vielen. Doch die Klimakrise ist eine „heranrasende Katastrophe“, so Neubauer. Es fehle derzeit ein Bewusstsein, was der Menschheit durch ihr unverantwortliches Handeln verloren gehe. Die Klimakrise ist nicht nur in sich dramatisch, sondern geht mit der kontinuierlichen Zerstörung der Artenvielfalt einher. Doch die Gesellschaft übernimmt dafür derzeit keine Verantwortung. Vielmehr wird, laut von Weizsäcker, die Politik von einer Ausrichtung an ökonomischen Zielen bestimmt.
Während sich von Weizsäcker durch die neue Regierung und die Fridays for Future Bewegung durchaus optimistisch zeigt, äußert sich Neubauer beim Blick in die Zukunft zurückhaltender. Sie selbst möchte nicht passiv, sondern aktiv den Herausforderungen begegnen und fordert dasselbe auch von anderen. Wir alle müssen uns fragen, ob unser Verhalten Teil des Problems ist oder wir zu seiner Lösung beitragen. Die Wissenschaft ist dabei laut von Weizsäcker in einer besonderen Rolle. Denn sie sei nichts Abstraktes, sondern solle als Grundlage einer verantwortlichen Politik herangezogen werden. Nur so könne der Herausforderung der Klimakrise begegnet werden.
Die ganze Podcast-Folge gibt es bei allen gängigen Podcast-Anbietern. Im Wissenspodcast „Eine:r muss es ja machen!“ werden die Themen diskutiert, die unsere Welt bewegen. Renommierte Wissenschaftler:innen diskutieren mit Nachwuchswissenschaftler:innen über Themen wie Klimawandel, Digitalisierung und sozioökologische Transformation. Dabei stehen die wissenschaftliche Perspektive und die Verantwortung der Wissenschaft im Mittelpunkt.
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Seit ihrer Gründung 1959 durch Max Born, Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker sowie weiteren prominente Wissenschaftlern (“Göttinger 18”) fühlt sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) der Tradition verantwortlicher Wissenschaft verpflichtet. Sie nimmt Stellung zu Fragen von Wissenschaftsorientierung und aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Frieden & Abrüstung, Klima & Biodiversität, sozio-ökologische Transformation & soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung & Gesellschaft sowie Whistleblowing. Mit den Ergebnissen ihrer Arbeit wendet sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler an die interessierte Öffentlichkeit und an Entscheidungsträger:innen auf allen Ebenen von Politik und Gesellschaft.
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