In der Debatte um KI und Urheberrecht geht es meist darum, die eigenen Websitetexte vor dem Auslesen zu schützen. Eine Stichprobe von 250 deutschen Handwerker-Websites, erhoben Ende Juli 2026, zeigt ein anderes Bild: Genau ein Betrieb sperrt einen KI-Crawler aus. Gefunden wird bei KI Suchen in ChatGPT und Co trotzdem kaum einer.
Die Tür steht offen
Von 216 erreichbaren Websites hinterlegt eine einzige eine Sperre für einen KI-Crawler – betroffen ist dort der GPTBot. Kein einziger Betrieb sperrt Crawler pauschal aus. 165 der Websites haben überhaupt eine robots.txt, die Datei also, in der eine solche Sperre stehen müsste; sie regeln damit anderes, aber nicht den Zugang von Antwortmaschinen.
Wer erwartet, das Handwerk verteidige seine Inhalte gegen KI-Systeme, findet dafür in diesen Daten keinen Beleg. Gemessen ist dabei das Verhalten, nicht die Absicht: Ob ein Betrieb sich bewusst für Offenheit entschieden hat oder die Frage nie gestellt wurde, sagt eine robots.txt nicht.
Gefunden wird trotzdem kaum einer
160 der 216 Websites tragen kein maschinenlesbares Betriebsprofil. 130 davon haben gar keine strukturierten Daten, 30 haben welche, allerdings nur zur Website selbst und nicht zum Unternehmen. Eine Antwortmaschine liest dort also einen Text, kann ihn aber keinem Betrieb mit Namen, Anschrift und Rufnummer zuordnen.
Das ist der eigentliche Befund: Nicht eine Sperre hält die Systeme fern, sondern fehlende Auszeichnung. Die Angaben stehen auf der Seite, gepflegt und für jeden Besucher lesbar – nur nicht in einer Form, die eine Maschine dem Betrieb zuschreiben kann.
Ein Teil der Branche ist weiter
25 Betriebe hinterlegen eine llms.txt, eine erst seit 2024 gebräuchliche Datei, die KI-Systemen sagt, welche Inhalte sie verwenden dürfen. Für eine Berufsgruppe, die selten als digitale Vorreiterin gilt, ist das bemerkenswert. Ein Teil dieser Dateien stammt allerdings aus Website-Baukästen und SEO-Erweiterungen. Eine bewusste Entscheidung steckt also nicht hinter jeder.
„Fast niemand im Handwerk sperrt KI-Systeme von seinen Websitetexten aus. Gefunden wird trotzdem kaum einer – und wer nicht gefunden wird, bekommt die Anfrage gar nicht erst.”, sagt Georg Singer, Gründer von seitenhebel.de.
Welche Angaben eine Website maschinenlesbar bereitstellt, prüft der Website-Check von seitenhebel.de.
Methodik
Grundlage sind 9.669 in OpenStreetMap erfasste deutsche Handwerksbetriebe mit eigener Website aus den Gewerken Sanitär und Heizung, Elektro, Dach, Zimmerei, Bau und Maler. Daraus zieht die Untersuchung 250 Betriebe, gleichverteilt über die Gewerke und über alle 16 Bundesländer. 216 Websites antworten, 34 sind nicht erreichbar.
Geprüft werden Startseite, robots.txt und llms.txt, jeweils ohne Ausführung von JavaScript. Die Erhebung stammt vom 28. Juli 2026 und läuft ohne Sprachmodell, ist also wiederholbar. Einzelne Betriebe nennt die Untersuchung nicht.
Einschränkung: Erfasst sind ausschließlich Betriebe, die in OpenStreetMap mit Website eingetragen sind. Das ist eher die digital sichtbarere Hälfte des Handwerks.
Methodik der Untersuchung im Detail.
Über seitenhebel.de
seitenhebel.de prüft Websites auf SEO, Conversion, Barrierefreiheit und Eignung für KI-Antwortsysteme und benennt konkrete Verbesserungen. Das Angebot richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die ohne Agentur einschätzen wollen, wo ihre Website Kunden verliert. Die Analyse ist ab 49 Euro verfügbar. Betreiber ist die EmailManager OÜ mit Sitz in Tallinn; die Software wird in Wien entwickelt.
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Dr. Georg Singer
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