Jakob Uhlig

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Mit Wut im Bauch veröffentlicht die Münsteraner Emo-Punkband Shoreline ihre neue Single „Konichiwa“ und wendet sich damit gegen anti-asiatischen Rassismus. Die im Song beschriebenen Erfahrungen kann Sänger Hansol Seung als Mann mit koreanischen Wurzeln selbst nachfühlen und speziell mit dem Beginn der Corona-Pandemie hatten Anfeindungen gegen asiatisch aussehende Personen deutlich zugenommen. Den Feature-Gast der Single, Koji, hatte Seung 2019 bei einem Auftritt kennengelernt. Auch Koji hat asiatische Wurzeln und wurde im Leben mit ähnlichen Erfahrungen konfrontiert, wie sie in „Konichiwa“ zum Ausdruck kommen.

Seungs Gefühle im neuen Song seiner Band sind das Ergebnis vieler Lebenserfahrungen. Die Initialzündung zum Schreiben der Single gab aber ein ganz konkretes Ereignis. „‚Konichiwa‘ entstand aus einer Situation im Frühling 2020“, erinnert sich der Sänger. „Es war am frühen Abend und ich war auf dem Weg zum Einkaufen, als mir ein Typ quer über die Straße ‚Konichiwa!‘ zurief, die Augen langzog und sich albern dabei bewegte. Das passiert schon mal ab und zu, aber aus irgendeinem Grund hatte mich das an dem Tag schwerer getroffen als sonst. Mir ist tatsächlich nichts Schlaues oder Schlagfertiges als Antwort eingefallen und ich habe mich danach richtig schlecht gefühlt. Ich war ziemlich sauer auf mich selbst, dass ich danach nichts erwidert habe. Der Song und vor allem der Chorus sind direkt nach dieser Begegnung entstanden.“

Shoreline haben zu dem Song auch ein Musikvideo gedreht, das bewusst mit zahlreichen Stereotypen asiatischer Kultur spielt. Die Kulisse ist ein asiatisches Restaurant, Seung setzt sich zwischendurch einen Kegelhut auf und kämpft am Ende sogar gegen Ninjas. Mit der überzeichneten Darstellung macht die Band auf die Probleme aufmerksam, die durch derartige Klischees entstehen. „Die Sensibilität bezüglich Rassismus in Deutschland hat (völlig zu Recht!) einen Fokus auf Menschen mit arabischen oder ‚südländischen‘ Wurzeln, schwarzen Menschen und Antisemitismus“, meint Seung. „Das führte bei mir dazu, dass ich lange Zeit meine eigenen Probleme mit Rassismus nicht als solche anerkannt habe und mir bis ich 23 war gewünscht habe, weiß zu sein. Wenn der Song ‚nur‘ Menschen offenbart, dass sie nicht die einzigen mit diesen Erfahrungen sind, dann bin ich ziemlich glücklich darüber.“

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„Konichiwa“ und weitere Songs von Shoreline lassen sich im Dezember auch live erleben – dort gehen Shoreline zusammen mit Nathan Gray und The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die auf Tour. Halt machen die Bands dabei auch in insgesamt neun Stopps in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerdem geht die Tour auch ins Vereinigte Königreich und in die Niederlanden. Karten für die Konzerte gibt es zum Beispiel bei Eventim. Die Single „Konichiwa“ ist ab sofort bei allen gängigen Streaming-Anbietern hörbar.