Deutlicher als das 8:2 – wie der FC Bayern München den FC Barcelona in Sachen Transferpolitik deklassiert

Es war ein bedeutsamer Abend, als der FC Bayern München am 14. August 2020 den FC Barcelona mit 8:2 aus der Champions League schoss.

FC Barcelona Stadion

Bild: Pixabay

Es war ein bedeutsamer Abend, als der FC Bayern München am 14. August 2020 den FC Barcelona mit 8:2 aus der Champions League schoss. Auf dem Feld war zu sehen, wie sehr die katalanische Mannschaft unter der Intensität des deutschen Rekordmeisters litt. Am Ende drängte sich das Gefühl auf, dass man eben das Spiel zwischen einer Herrenmannschaft und einer etwas unbeholfenen unterklassigen Mannschaft gesehen hat, die zwar große Talente aber neben deutlichen körperlichen Defiziten auch die nötige Erfahrung vermissen ließ. Dabei spielten hier, auf dem Papier, zwei ebenbürtige Teams gegeneinander. Doch dieser große Unterschied ist nichts im Vergleich zur Diskrepanz zwischen den Aktivitäten auf dem Transfermarkt beider Klubs.

Die finanziellen Stärken und Schwächen großer Klubs

Immer mehr große Sportvereine leiden unter finanziellen Problemen. So auch die großen Fußballklubs in Europa. Immer wieder hört man, dass Transfers nicht getätigt werden können, weil dem interessierten Verein die nötigen finanziellen Mittel fehlen. In vielen Fällen liegt das nicht nur an den wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate auf der ganzen Welt. Einige Vereine haben über Jahre über ihre Verhältnisse gewirtschaftet und nicht immer die vorteilhaftesten  Entscheidungen getroffen.

Der FC Barcelona ist derzeit wohl das berühmteste Beispiel dafür, welche Auswirkungen eine unüberlegte Transferpolitik haben können. Denn nach dem Verkauf von Neymar Junior im Jahr 2017, wo die Katalanen über 200 Millionen Euro einnahmen, wurde das Geld ohne nachzudenken in Spieler investiert, die entweder die Erwartungen nicht erfüllen konnten, oder denen nicht genug Zeit gegeben wurde. Dagegen hat beispielsweise der FC Bayern seit Jahrzehnten nachhaltige Transferpolitik betrieben. Teure Transfers wurden mit großer Vorsicht getätigt.

Nicht selten hielten sich die Münchner eine Hintertür offen, um große finanzielle Schäden zu verhindern, falls einer der neu verpflichteten Weltstars seinen Erwartungen nicht gerecht werden sollte. So hat man James Rodriguez im Sommer 2017 zunächst ausgeliehen und sich eine Kaufoption von 50 Millionen Euro gesichert. Wie sich später bestätigen sollte, war James nicht daran interessiert, langfristig in München zu bleiben. So gab der FC Bayern „nur” 13 Millionen Euro für eine Leihe aus. Der FC Barcelona dagegen, kaufte Stars wie Coutinho und Dembele um sehr viel Geld ein und wartet bis heute darauf, dass sich diese Investitionen lohnen.

Auch in anderen Sportarten ist eine gut durchdachte Transferpolitik entscheidend am mittel- und langfristigen sportlichen Erfolg eines Vereins beteiligt. Im Baseball wurden Transfers durch die berühmte „Moneyball” Methode bei den Oakland Athletics revolutioniert. Besonders in dieser Sportart nehmen Neuzugänge aufgrund der kleineren Kader schnell einen größeren Einfluss. Für europäische Basketballteams haben sich Transfers von Spielern aus der NBA ebenso des Öfteren gelohnt, um europäische Wettbewerbe zu gewinnen. Aber auch umgekehrt können Spieler, die die Europaleague gewonnen haben, NBA-Teams durchaus verstärken. Ein gutes Beispiel hierfür ist Luka Dončić, der 2019 von Real Madrid in die NBA wechselte und zu einem der besten und wichtigsten Spieler wurde. Auch in der kommenden Saison ist Real Madrid laut den Basketball-Wetten mit Quoten von 6,00 wieder ein starker Anwärter auf den Titel der Euroleague (Stand: 29.09.). Lediglich Barcelona und Anadolu Efes werden momentan höhere Chancen zugesprochen.

Champions League Titel vs. über 200 Millionen Euro Schulden

Fussballer

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Besonders schmerzhaft müssen die beiden Tore des Brasilianers Philippe Coutinho an besagtem Abend im August gewesen sein, die der Angreifer nicht für, sondern gegen den FC Barcelona erzielte. Coutinho wurde nämlich nach dem Verkauf von Neymar um 160 Millionen Euro vom FC Liverpool geholt und schon nach kurzer Zeit an den FC Bayern verliehen. Der in Spanien als „Flop” geltende Spielmacher erreichte mit dem deutschen Rekordmeister das, wofür er eigentlich nach Barcelona transferiert worden war: den Champions League Titel. Und: von den 160 Millionen Euro, die Barca an den FC Liverpool für Coutinho überweisen mussten, sind noch immer 94 Euro offen. Dazu kommen Schulden bei weiteren Vereinen wie dem FC Bayern (über 10 Millionen Euro für Arturo Vidal, der mittlerweile für eine Million Euro zu Inter gewechselt hat). Das 8:2 vom FC Bayern gegen den FC Barcelona mag zwar den sportlichen Unterschied beider Klubs nicht exakt widerspiegeln, was die Transferpolitik beider Klubs betrifft, spielen die Münchner aber seit Jahren in einer anderen Liga.

 

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