Ines Rein-Brandenburg

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In der Biografie des Bildhauers Erich Schmidtbochum und in dem Roman um eine engagierte Lehrerin spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen

 

Am Ende des Zweiten Weltkriegs tritt der Soldat Erich Schmidt ins Leben einer Bergmannsfamilie, die ihm das Leben rettet. Seinem „Lebensretter“ und dessen Familie sendet er von da an regelmäßig Briefe und Kartengrüße. Er weiß, dass er ihnen damit eine Freude bereitet. Dieser Soldat beginnt sein künstlerisches Schaffen in Bochum. Die Stadt ist stolz auf Erich Schmidt und verleiht ihm als Zusatz ihren Stadtnamen, den er ebenso stolz lebenslang trägt. Und die Familie nimmt ehrlich an seinem Leben und seinem künstlerischen Schaffen Anteil.

Die Autorin Doris Vogt-Köhler ist die Schwester der Schwiegertochter des „Lebensretters“. In ihrem Buch „Zeit – Form – Leben“ (ISBN 978-3-95716-382-0) wertet sie die Briefe und Dokumente an die Familie des „Lebensretters“ im Ruhrgebiet aus. Dabei wird die Gleichzeitigkeit des Lebens ihrer eigenen Familie in Thüringen dagegen gestellt. So versucht sie, eine Betrachtung der Lebensart der Familien in Ost und West den Lesern nahe zu bringen und die Erinnerung an Erich Schmidtbochum (1913-1999) wach zu halten. Das Relief „Der Steiger schreibt das Gedinge auf“, ein Geschenk an seinen Lebensretter, ist dabei eine Tür zum ehemaligen Bergbaugeschehen, hinter der sich manches entdecken lässt.

Doris Vogt-Köhler wurde 1943 in Brotterode in Thüringen geboren. Nach dem Abitur 1962 studierte sie am Institut für Lehrerbildung in Weimar und absolvierte anschließend an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ein Zusatzstudium für das Lehramt an Hilfsschulen und an Schulen in Heimen für schwererziehbare Kinder.

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In ihrem Roman „Gestrandet in Weimar“ (ISBN 978-3-95716-211-3) verarbeitet sie viele authentische autobiografische Erfahrungen und Beobachtungen. Doris Vogt-Köhlers Roman fordert die Leser heraus, sich an ihre eigenen Schulerfahrungen zu erinnern, in einem Klassenraum zu sitzen und auf dem Schulhof herumzutollen. Und dabei die Perspektive der Lehrerin einzunehmen, die sich in die Ecke gestellt fühlt wie ein Torso. Mal sarkastisch, mal ratlos, mal verzweifelt ringt Lehrerin Elvira Jung um die Aufmerksamkeit ihrer Schüler. Ihr Idealismus rennt an gegen emotionale Eisblöcke bei den Kindern, Eltern und im Lehrer-Kollegium. Träge und unwillig, verletzlich und verschlossen, einfach rätselhaft sind die Teenager. Aber auch bei den Eltern tun sich Abgründe des Zwischenmenschlichen auf. Zwischen allen Akteuren des Romans spielen sich Machtkämpfe ab. In den Szenen wechseln sich hoffnungsvolle Augenblicke des Gelingens ab mit solchen der Nichtachtung, Respektlosigkeit und tragische Momente bis hin zum Selbstmord.

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