Holger Kopton

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Gestatten, Taiwan! Ostasiatische Insel. Korridor zwischen ostchinesischem und südchinesischem Meer. Rund 24 Millionen Einwohner auf einer Fläche, so groß wie Baden-Württemberg. Rasantes Wirtschaftswachstum. Hochentwickelter Industriestaat.

Taiwan ist sicher vieles, nur nicht unbedeutend. Vor allem nicht in der Entwicklung. Denn Taiwan setzt auf Innovation. So auch in der Medizintechnik. Und weil Erfinder naturgemäße Nimmersatte sind, verwundert es wenig, wenn sich auf einer der dafür berühmtesten Messen mal eben zwei Hersteller von All-in-one-Touchscreen-Panel-PCs zeigen, die den ganzen Markt abzudecken imstande wären. So brillierten auf der MEDICA in Düsseldorf die IEI Integration Corporation und Wincomm Corporation, sahnten schon im Vorfeld den international hoch angesehenen Taiwan Excellence Award ab und lieferten sich einen Argumentationswettbewerb, der gar nicht nötig war. Denn top sind ja beide – nur für jeweils andere Zielkunden.

Es riecht ein wenig nach dem Unterschied von Mercedes-Benz und Rolls Royce, denn an der Qualität gibt es offenkundig gar nichts auszusetzen. Während die viel größere IEI jedoch mehr auf Massenanwendung bauen kann, um möglichst vielen Ärzten zu intelligenterer Arbeit zu verhelfen, dürfte sich Wincomm eher beim Schönheitschirurgen wiederfinden.

Der eine setzt mit seinen voluminösen Kapazitäten, seiner größeren Erfahrung und dem ständigen Bestreben nach Weiterentwicklung auf die Definierung wegweisender Standards. IEI steht somit für praktikable Robustheit und Nachhaltigkeit – Design gehört eben nicht zur Lebensrettung.

Der andere hingegen kombiniert seine Qualität mit edler Gestaltung, einem speziellen weißen Farbdesign und vertrauenserweckender Leichtigkeit. Wincomm punktet auf der Repräsentationsebene, wenn die Arztpraxis den Eindruck vermittelt, dass hier kein Blut spritzt, sondern echte Künstler am Werk sind.

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Beiden gemeinsam ist dennoch der Fortschritt. Polyvalent sollen die Touchscreen-Panel-PCs sein, um auf breiter Basis alle medizinischen Belange zu bedienen. Chemikalienbeständig sollen sie sein, um ihre Lebensdauer zu erhöhen. Antibakteriell sollen sie sein, um die Patienten zu schonen – der in unseren Krankenhäusern wütende MRSA-Keim lässt grüßen. Und das Beste ist, dass sie all das auch sind – wie auf der MEDICA eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden ist.

Beweise aber wirken nur so gut, wie sie verfochten werden. Innovations- und Vermarktungsstärke bedürfen konform gehender Handlungsweisen. Die Motivation David Hungs von IEI, „unser Verantwortungsbewusstsein und unsere Zuverlässigkeit unentbehrlich zu machen“, begleitet sein Kollege Jerry Li von Wincomm mit der ernüchternden Feststellung: „Wir brauchen mehr Präsenz“. Ziel und Rückschluss beider Vermarktungsrepräsentanten zeigen das Problem Taiwans auf, trotz seiner globalen Möglichkeiten als Innovationsmacht zu wenig wahrgenommen zu werden.

Unter nationaler Unterstützung der halbstaatlichen Handelsförderungsorganisation TAITRA, dem Büro für Außenhandel (BOFT) und dem Wirtschaftsministerium, werden Firmen und Produkte der globalen Öffentlichkeit bekanntgemacht. Die strengen Kriterien des von ihnen verliehenen Taiwan Excellence Awards verdeutlichen das Niveau.