Nürnberg – Vor 675 Jahren wurde in Nürnberg ein furchtbares Verbrechen begangen, bei dem bis heute immer wieder ein junger Mann als Mitschuldiger bezeichnet wird, der mit dieser Bluttat gar nichts zu tun hat. Auf sein Betreiben soll König Karl IV. in Prag am 16. November 1349 dem Nürnberger Rat per Urkunde das Recht erteilt haben, die jüdische Bevölkerung zu vertreiben, zwei Marktplätze anzulegen und anstelle der Synagoge eine christliche Kirche – die heutige Frauenkirche – zu bauen. Ausdrücklich stellte Karl IV. die Stadt straffrei, auch wenn dabei Juden zu Schaden kommen sollten. Bereits drei Tage nach Ausstellung der Urkunde belohnte Karl IV. am 19. November 1349 den lieben, getreuen Nürnberger Gesandten, auf dessen Betreiben er die verhängnisvolle Genehmigung erteilt hatte, Schenkungsurkunden für ehemalige Judenhäuser aus.
Am 5. Dezember 1349 (Niklausabend) fiel ein Mob über die Judengemeinde der Stadt Nürnberg her. Bei diesem Pogrom wurden 562 Juden erschlagen und verbrannt, ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht oder beschlagnahmt, der jüdische Friedhof zerstört, die Grabsteine abtransportiert sowie später der Haupt- und Obstmarkt errichtet.
Juden genossen im 14. Jahrhundert in Deutschland keinen guten Ruf. Man war neidisch auf sie, weil sie mit Geldverleihen, das Christen wegen des Zinsverbots untersagt war, gut verdienten und dichtete ihnen schreckliche Missetaten an. 1348/49 machte man die Juden fälschlicherweise für die damals in Europa grassierende Pest („Schwarzer Tod“) verantwortlich. Es wurde auch böswillig behauptet, die Juden hätten Brunnen vergiftet.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand die Stadt Nürnberg aus zwei getrennt ummauerten Stadtteilen um die Pfarrkirchen St. Sebald und St. Lorenz. Als die beiden Stadtteile über die Pegnitz hinweg zu einer Stadt verschmolzen, rückte die in der sumpfigen Niederung des Flusses vor Jahrhunderten angelegte Judensiedlung mit ihrer Synagoge in eine Mittellage und löste große Begehrlichkeiten aus. Jenes Gebiet wollten die Nürnberger haben.
In dem neuen Buch „Das Nürnberger Genie. Leben und Werk von Ulman I. Stromer“ weist der Autor Ernst Probst darauf hin, dass der Nürnberger Gesandte, der bei König Karl IV. die Erlaubnis für die Vertreibung der Juden erreichte, nicht Ulman I. Stromer (1329– 1407), sondern dessen Onkel Ulrich I. Stromer am Zotenberg (gestorben 1385/87) gewesen ist. Ulman I., dem die Rolle als Gesandter immer wieder irrtümlich zugeschrieben wurde, war 1349 erst 20 Jahre alt, als sein Onkel in Prag als Gesandter bei König Karl IV. auftrat. Einem so jungen Mann wie Ulman I. wäre wohl kaum vom Nürnberger Rat eine so wichtige Gesandtschaft an den König aufgetragen worden. Ulman I. gehörte damals noch nicht dem Nürnberger Rat an, sondern erst ab 1371. Um 1349 waren Ulrich am Zotenberg und Ulrich zur goldenen Rose im Rat.
Der Leiter eines Welthandelshauses, Gründer der ersten deutschen Papiermühle, Verfasser der ersten deutschen Städtechronik und Oberste Hauptmann (Oberbürgermeister), Ulman I. Stromer, wird von Ernst Probst als „Nürnberger Genie“ bezeichnet. Eine tüchtige Nachfahrin von ihm ist Rotraut Stromer von Reichenbach-Baumbauer, die Administratorin der Stromerschen Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung. Sie und ihr Ehemann Lothar Baumbauer haben bei der Renovierung der Stromer-Familienburg Grünsberg bei Altdorf Großartiges geleistet.
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