Wenn der Kindergarten zur Bildungseinrichtung wird, werden ihn Gemeinden nicht mehr finanzieren

(Gemeindebundpräsident Mödlhammer in einem Presse-Interview am 2.4.2014)

Wenn der Kindergarten zur Bildungseinrichtung wird,  werden ihn Gemeinden nicht mehr finanzieren

(NL/9428303732) Die Plattform EduCare begrüßt diese Aussage. Mödlhammer bringt damit offensichtlich seinen Unmut zum Ausdruck, dass die Bundesregierung seit Jahren davon redet, dass der Kindergarten als elementare Bildungseinrichtung unverzichtbarer Bestandteil der österreichischen Bildungslandschaft ist und sich dennoch davor drückt, die Verantwortung dafür zu unternehmen. Zum Ausdruck kommt dies auch im neuen Regierungsabkommen, in dem eine deutliche Aufwertung des elementaren Bildungsbereiches vorgesehen ist.

Der Bund schafft an die Bürgermeister sind für die Umsetzung verantwortlich

Tatsache jedoch ist, dass für das Kindergartenwesen die Länder zuständig sind und jedes Land ein eigenes Kindergartengesetz hat, indem die organisatorischen Rahmenbedingungen – wie die Qualifikation des Personals, die Gruppengröße, die Anzahl der PädagogInnen pro Gruppe usw. – festgelegt sind. Tatsache ist auch, dass ein Großteil der Kindergärten in der Verantwortung der Gemeinden liegt.

In der Praxis ergibt sich daraus die absurde Situation, dass der Bund – und zwar sowohl das Bildungsministerium als auch das Familienministerium – immer wieder inhaltliche Vorgaben macht, die Verantwortung für die Umsetzung jedoch bei den Gemeinden bleibt.

Die Umsetzung scheitert an den unzureichenden Rahmenbedingungen

Seit Jahren gibt es das verpflichtende Kindergartenjahr, einen bundesweit gültigen BildungsRahmenplan für elementare Bildungseinrichtungen und die verpflichtende Sprachstandsfeststellung sowie Sprachförderung.

Eben solange verweist die elementarpädagogische Community darauf, dass unter den bestehenden Rahmenbedingungen weder die Bildungsinhalte des BildungsRahmenplanes umgesetzt werden können noch eine gezielte Sprachförderung sattfinden kann: zum einen fehlen die organisatorischen Rahmenbedingungen dafür bei 25 Kindern in der Gruppe ist es nicht möglich, jedem Kind gerecht zu werden, zum anderen sind die PädagogInnen dafür nicht ausgebildet.

KindergartenpädagogInnen lernen in der derzeitigen Ausbildung zwar, welche elementarpädagogischen Anforderungen an den Kindergarten gestellt werden, zur Erlernung der dafür notwendigen pädagogischen Maßnahmen fehlt aber einerseits die Zeit und andererseits sind 14-19 jährige SchülerInnen auch nur teilweise dazu in der Lage. Alle anderen europäischen Staaten haben das in den letzten Jahren erkannt und bilden ihre KindergartenpädagogInnen auf Hochschulniveau aus.

Kindergarten in die Kompetenz des Bildungsministeriums!

Die österreichische Regierung muss endlich auf die internationale Entwicklung und auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse reagieren und elementare Bildungseinrichtungen in die Kompetenz des Bildungsmministeriums überführen. Nur so wird es gelingen, dass Kindergärten ihrem Bildungsauftrag gerecht werden können.

Solange dies nicht geschieht, werden PädagogInnen, Eltern und Kinder immer wieder mit der Meinung konfrontiert werden, dass der Kindergarten eine Betreuungseinrichtung ist und elementare Bildung Aufgabe des Elternhauses ist.

Bezug:
* http://diepresse.com/home/bildung/erziehung/1585309/Fur-Paedagogik-sind-Gemeinden-nicht-zustaendig?_vl_backlink=/home/bildung/index.do
* http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/1585226/Kindergaertner_Kein-UniAbschluss-notwendig?direct=1585309&_vl_backlink=/home/bildung/index.do&selChannel

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Mittwoch, 2. April 2014 von