Eskalation: Stahlpreisentwicklung treibt erste Zulieferer in Liquiditätsprobleme

Kunden müssen jetzt reagieren, sonst droht Crash der Lieferkette
Anti-Dumping-Kampagne der Stahlindustrie weiterer Preistreiber

Eskalation: Stahlpreisentwicklung treibt  erste Zulieferer in Liquiditätsprobleme

Die Stahlpreisexplosion treibt Unternehmen der blechumformenden Industrie in Liquiditätsprobleme

HAGEN – 29. März 2017. Die Stahlpreisexplosion treibt erste Unternehmen der blechumformenden Industrie in Liquiditätsprobleme. „Diese Eskalation erfordert schnelles Handeln: Kunden der Zulieferer – Automobilhersteller, Systemlieferanten und andere Beteiligte der Supply Chain – müssen sich jetzt verhandlungsbereit zeigen“, appelliert Bernhard Jacobs, Geschäftsführer des Industrieverbandes Blechumformung (IBU). „Sonst bricht die Lieferkette kurzfristig zusammen.“ Vom Bundeswirtschaftsministerium fordert IBU gleichzeitig, weiteren Schutzzöllen im Rahmen der Anti-Dumping-Kampagne der Stahlindustrie zu widersprechen. Die daraus resultierende Verknappung auf dem Flachstahlmarkt sei ein weiterer Preistreiber.

„Zulieferer können Kosten definitiv nicht mehr allein tragen“
Der Verbandsgeschäftsführer spricht für rund 240 Mitglieder aus der blechumformenden Industrie. Erste Zulieferer haben bereits Liquiditätsprobleme – als Folge des Stahlpreisfiaskos. Zu wenige ihrer Kunden zeigten sich bisher gesprächsbereit, viele ignorieren die Lage noch. Und riskieren damit kurzfristig den Crash der Lieferkette. „Die Gefahr ist erschreckend. Verglichen mit unseren Warnungen im Februar befinden wir uns in einer deutlich höheren Eskalationsstufe. Der mittelständisch aufgestellte Zulieferer kann die Kosten definitiv nicht allein tragen. Hersteller müssen mit ihren Zulieferern Lösungen finden“, betont Jacobs.

Dramatisch: Zusatzbelastungen im mittleren einstelligen Millionenbereich
Das Flachstahl-Referenzprodukt Warmbreitband (Hot Rolled Coil) hat sich in den Grundpreisen um bis zu 80 Prozent verteuert. Kauft ein mittelständisches Zulieferunternehmen beispielsweise 7.000 Tonnen warmgewalzte Bleche, entstehen Mehrkosten von über 1,8 Millionen Euro. Oft ist der Materialbedarf deutlich höher – es ergeben sich Zusatzbelastungen im mittleren einstelligen Millionenbereich. Für Mittelständler eine dramatische Größenordnung. Die Preissprünge erhöhen ihren Liquiditätsbedarf und überfordern ihre Kreditlimits. Damit drohen Insolvenzen.

Anti-Dumping-Kampagne der Stahlindustrie erzeugt historisch einmalige Verknappung
Preistreiber ist, neben gestiegenen Rohstoffkosten für Eisenerz und Koks, die Anti-Dumping-Kampagne der Stahlindustrie. Sie betrifft den gesamten Flachstahlmarkt der EU und erzeugt eine historisch einmalige, verknappte Marktsituation. Die als Schutzmaßnahme initiierte Kampagne richtet sich nicht nur gegen China: Beim Schlüsselprodukt Warmbreitband laufen Verfahren gegen Einfuhren aus Brasilien, Russland, Serbien, dem Iran und der Ukraine. Betroffen sind 80 Prozent der EU-Einfuhren.

Marktabschottung: Den Preis zahlen Stahlverarbeiter und Endkunden
Bernhard Jacobs: „Wenn weitere Einfuhrzölle kommen, schaltet das den Importwettbewerb weitgehend aus. Das im Dezember 2016 eingeleitete Verfahren gegen die Einfuhr beschichteter Bleche aus China – von hier kommen 50 Prozent der EU-Importe – hat die Lieferzeiten der EU-Hersteller bereits stark verlängert. Kurzfristige und sprunghafte Lieferverzögerungen weiten sich dann zwangsläufig zu maßgeblichen Versorgungslücken aus. Viele befürchten, dass außerhalb Chinas die Kapazitäten zur Deckung des EU-Bedarfs fehlen. Bei dem protektionistischen Weg der EU-Kommission, auf Druck der Stahlindustrie, scheint es längst nicht mehr um fairen Wettbewerb zu gehen. Sondern um Marktabschottung. Den Preis dafür zahlen Stahlverarbeiter und Endkunden.“

Bundeswirtschaftsministerium soll Schutzzöllen widersprechen
Der Industrieverband Blechumformung will das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) nun schriftlich auffordern, weiteren Schutzzöllen zu widersprechen. „EU-Zölle können nur mit Zustimmung der Mitgliedsstaaten beschlossen werden. Für uns ist entscheidend, dass sich das BMWi eindeutig positioniert.“ Text 3.734 Z. inkl. Leerz.

Der IBU in Hagen vertritt als Bundesverband circa 240 Mitgliedsunternehmen der blechumformenden Industrie und deren Lieferanten. Diese überwiegend aus mittelständischen Familienunternehmen bestehende Branche wird durch eine industrielle Fertigung für marktmächtige Kunden geprägt. Das Umsatzvolumen des Wirtschaftszweigs 25.50 betrug im Jahr 2015 rund 19,17 Milliarden Euro. Die Verbandsmitglieder sind mehrheitlich Zulieferer der Automobil- und Elektronikindustrie, des Maschinen- und Anlagenbaus, der Möbel- und Bauindustrie sowie der Medizintechnik.

Foto: Industrieverband für Blechumformung (IBU) – Abdruck honorarfrei – bitte nur mit Quellenangabe

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Mittwoch, 29. März 2017 von