Die Schweiz und ihre dubiosen Briefkastenfirmen

Immer mehr schräge Vögel nisten auf dem einstigen „Fels in der Finanzbrandung“

Die Schweiz und ihre dubiosen Briefkastenfirmen

Der DVS hilft geschädigten Anlegern

1. April 2014. Lange Zeit galt die Schweiz als Sinnbild für seriöse Bank- und Geldgeschäfte. Auch heute ist die Schweiz immer noch eine der Top-Adressen für Unternehmer. Unter die auffallend vielen Briefkastenfirmen, die es in der Schweiz aufgrund fiskalischer Vorteile gibt, mischen sich aber auch immer mehr Betrüger. Durch den vermeintlichen Firmensitz im Land der Eidgenossen, hätten diese oft „leichtes Spiel“ bei ihren Opfern, so der Deutsche Verbraucherschutzring e. V. (DVS) in Erfurt.

Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Die ganze Schweiz ist von seriösen Geschäftsmännern, Bankern und Managern besetzt. Die ganze Schweiz? Nein! Ein von Treuhandfirmen und Anwälten bevölkerter Kanton hört nicht auf, dem sauberen Finanz-Image der Schweiz Widerstand zu leisten. … Irgendwie passt das bekannte „Asterix“-Intro ganz gut zu unserem Thema. Denn eigentlich sind es nur vier Gebäude im Kanton Zug, die unfreiwillig die Hitliste der häufigsten Firmeninsolvenzen der Schweiz anführen. Das Beratungsunternehmen Bisnode, ebenfalls aus der Schweiz, hat diese Studie angefertigt.

Die Lieblingsregion des Pleitegeiers

Der erste Platz dieser Hitparade geht an die Adresse Untermüli 6 im Kanton Zug. Innerhalb der letzten zehn Jahre gab es unter dieser Adresse 37 Konkurse, damit steht diese Adresse innerhalb der gesamten Schweiz auf Platz eins. In Untermüli 6 sind vor allem Domizilgesellschaften* ansässig. „Diese Firmen üben in der Schweiz eine reine Verwaltungstätigkeit aus, aber keine Geschäftstätigkeit“, sagt Claudia Lunderstedt-Georgi, Geschäftsführerin des Deutschen Verbraucherschutzrings e. V. (DVS). Die Bezeichnungen der verstorbenen Unternehmen im Handelsregister zeichnen ein deutliches Bild der todgeweihten Geschäftsmodelle: CreativInvest Management AG in Liquidation oder British Virgin Islands, Tortola – Zweigniederlassung Zug, um nur zwei Beispiele zu nennen.

500 Meter von Untermüli 6 liegt die Baarerstrasse 75. Dort verendeten in den vergangenen zehn Jahren 27 Unternehmen. Auch hier sind zahlreiche Domizilgesellschaften „zuhause“. 23 Konkurse vermeldet die Chamerstrasse 172 in Zug und immerhin noch 20 Insolvenzen für die Obergrundstraße 17 in Luzern.

Das Mekka der Briefkastenfirmen

Dass es in Luzern immer mehr Briefkastenfirmen gibt, wird von den Wirtschaftsförderern vor Ort sehr kritisch betrachtet. Claudia Lunderstedt-Georgi: „Laut einer Studie von Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG (OFWI) sitzen allein in der Murbacherstrasse 37 in Luzern 274 Firmen. Und das entsprechende Gebäude ist kein Wolkenkratzer, sondern ein ganz normales Haus. Damit liegt Luzern zwar noch hinter dem Kanton Schwyz und dem Spitzenreiter Zürich, aber der Trend hält an.“ Der Grund warum immer mehr Firmen ihre „Briefkästen“ nach Luzern hängen sei ganz einfach, so die DVS-Geschäftsführerin: „Die Basis für diese Entwicklung ist der gesenkte Unternehmenssteuer-Satz. Dieser liegt in Luzern bei 12,1 Prozent, bei den Nachbar-Kantonen bei bis zu 14 Prozent. Anlagebetrüger argumentieren gegenüber ihren Opfern, dass durch den niedrigen Steuersatz vor Ort die Rendite für den Anleger ungewöhnlich hoch ausfällt. Das klingt für viele schlüssig und verführt geradezu zur Investition.“ In der Schweiz stehen alle Kantone in hartem Steuerwettbewerb. Auch in Zürich, einer gern in Anspruch genommenen Steueroase, gibt es tausende von Briefkastenfirmen. Von den über 90.000 registrierten Gesellschaften existieren rund 11.000 nur auf dem Papier.

Anlagebetrüger mit schweizerischem Konto

Immer wieder fallen Kleinanleger oder Anleger, die versuchen ihr Geld gewinnbringend anzulegen, auf Betrüger rein, die in der Schweiz eine Briefkastenfirma gegründet haben. Rund die Hälfte aller Wirtschaftsstrafverfahren im Kanton Zug fallen unter die Rubrik „Anlagebetrug“. Peter Pellegrini, zuständig für Anlagebetrug bei der Züricher Bezirksanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte macht sich Sorgen um den guten Ruf der Schweiz. Oft reiche es schon, wenn ein Finanzbetrüger ein Konto bei einer renommierten Schweizer Bank angibt, dass ihm die Anleger blind vertrauen. Die DVS-Geschäftsführerin ergänzt: „Anlagebetrug rückt heute immer näher an die organisierte Kriminalität heran. Dabei wird die Gier vieler Anleger auf den schnellen Reichtum bewusst ausgenutzt. Dass gerade in der Schweiz und speziell im Kanton Zug etliche zwielichtige Unternehmen sitzen, ist auffallend. Und deshalb sollte sich jeder, der sein Geld einem dort vermeintlich ansässigen Unternehmen anvertrauen will, zunächst den Rat eines auf das Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalts einholen.“

*Bei Holding- und Domizilgesellschaften muss der gesamte Umsatz im Ausland erzielt werden. Besitzt eine Domizilgesellschaft über keine Büroräumlichkeiten und kein Personal, wird sie im Schweizer Handelsregisteramt mit dem Vermerk c/o eingetragen. Im Volksmund spricht man von Briefkastenfirmen.

Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS)

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Der Deutsche Verbraucherschutzring e.V. (DVS) setzt sich seit Jahren gezielt für die Interessen geschädigter Verbraucher und Kapitalanleger ein. Oberstes Ziel des DVS ist es, einen privaten Verbraucherschutz in Deutschland weiter fest zu verankern, um so die Interessen der Verbraucher konsequent gegen betrügerische Unternehmen durchzusetzen.

Der DVS bündelt unter anderem die Interessen geschädigter Kapitalanleger und setzt diese gegen die schädigenden Unternehmen durch. Als eingetragener Verein arbeitet er mit spezialisierten und erfahrenen Rechtsanwälten zusammen.

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Dienstag, 1. April 2014 von